Spotkanie z austriacką pisarką Caroliną Schutti zgromadziło liczną grupę studentów UKW, w tym członków Koła. Spotkanie zorganizowała i poprowadziła dr Elżbieta Nowikiewicz. Carolina Schutti czytała fragmenty swoich książek, odpowiadała na pytania publiczności, udzieliła również wywiadu studentce germanistyki Kamili Sikorskiej. Jego wersja skrócona znalazła się w 18 numerze Volltreffera. Wersję pełną jak i zdjęcia ze spotkania prezentujemy tutaj.
Zdjęcia: Katarzyna Mrotek
Kamila Sikorska: Aus welchen Quellen schöpfen Sie die Ideen für Ihre Bücher?
Carolina Schutti: Der Anstoß zu einem Werk ist oft ein Zeitungsartikel, allerdings trage ich mich schon vorher lange mit einem gewissen Thema und suche nach einem Punkt, mit dem ich anfangen kann. Ich lese sehr viel, nicht nur Bücher, sondern auch Zeitungen, Magazine usw., die immer wieder Ideengeber sind. Bei der Beschreibung emotionaler Szenen hingegen schöpfe ich aus der eigenen Erfahrung. Das heißt nicht, dass ich das Beschriebene selbst erlebt habe, aber dass ich schon einmal so oder so ähnlich gefühlt habe. Dadurch erreiche ich Authentizität: Über einen wahren Kern stülpe ich die Fiktion wie eine neue Haut.
KS: Inwiefern hängt die Problematik in Ihren Büchern mit Ihren persönlichen Erfahrungen zusammen?
CS: Das Thema „Schuld“ in all seinen Facetten lässt mich nicht los. Vor allem Graubereiche interessieren mich: Wann macht man sich warum an wem schuldig, ist man immer der Schuldige, wenn man jemandem Leid zufügt? Kann man sich umgekehrt an jemandem schuldig machen, ohne etwas „Böses“ zu tun? Auch Verlassenheit und Verzweiflung ziehen sich durch meine Texte. Es sind immer besondere zwischenmenschliche Konstellationen, die mich zum Schreiben bringen und drängen. Ich bin überzeugt davon, dass alles, was man schreibt, irgendwie mit persönlichen Erfahrungen zu tun hat, denn auch ausdenken kann man sich nur, was man zumindest als Puzzlestein im Kopf hat. Nur lässt es sich oft – wie in meinem Fall – nicht 1:1 mit konkreten persönlichen Erfahrungen in Verbindung bringen.
KS: Was für einen Eindruck möchten Sie auf die Leser Ihrer Bücher machen?
CS: Ich möchte meine Leser berühren, sie nicht belügen (gute Recherche!!!), eine Geschichte verständlich erzählen und gleichzeitig meine Texte so bauen, dass auch diejenigen Leser, die Freude am intellektuellen, analytischen Spiel haben, unter der Textoberfläche fündig werden (Figurenkonstellation, Leitmotive, Struktur, intertextuelle Anspielungen usw.).
KS: Wie in Ihrer Lesung schon erwähnt, stützen Sie sich in Ihren Ideen und Strukturen auf die Werke von…?
CS: Im Zuge meiner Dissertation habe ich viel von Elias Canetti gelernt, vor allem, dass man Texte so bauen kann, dass sie auch in kleinsten Details in sich schlüssig sind. In meinen Ideen und Strukturen stütze ich mich allerdings nicht auf ihn, jeder Text / jede Idee verlangt nach einer eigenen Struktur und einem eigenen Ton. Struktur und Ton für einen neuen Stoff zu finden, ist eine zuweilen sehr mühevolle Arbeit.
KS: Wie lang ist der Entstehungsprozess eines Buches in Ihrem Fall?
CS: Insgesamt etwa zwei Jahre. Ich denke sehr lange über einen Text nach, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Dann allerdings streiche / kürze / ändere ich kaum, sodass der Schreibprozess meistens kürzer ist als der Denkprozess.
KS: Ist Österreich immer der Handlungsort Ihrer Texte? Haben Sie einen besonderen Bezug zum Handlungsort?
CS: Ich schreibe natürlich über Landschaften und Orte, die ich kenne, die Bücher spielen aber nicht an festgelegten Orten. Das Haus der Tante im zweiten Buch muss natürlich irgendwo in Österreich stehen, das erste Buch hingegen kann grundsätzlich in jeder Stadt spielen, in deren Nähe es Berge gibt. Da ich beim Schreiben die Szenen wie einen Film vor mir sehe, baue ich meine Buchorte und Buchlandschaften aus einer Mischung aus erinnerten und imaginierten Bildern so zusammen, dass sie für mich (und hoffentlich auch für die Leser) real wirken. Wichtig ist mir, dass die Geschichten, die ich schreibe, nahezu überall stattfinden könnten: Es sind ja bei mir in erster Linie die Menschen, um die es geht.
KS: Die Titel der ersten zwei Werke Wer getragen wird, braucht keine Schuhe und einmal muss ich über weiches Gras gelaufen sein sind ungewöhnlich. Können Sie diese etwas näher bringen?
CS:
a) Anna sucht jemanden, der ihr die Last des eigenen Lebens abnimmt. Sie möchte, dass Harald sie sprichwörtlich auf Händen trägt, ihr Leben organisiert, sodass sie nicht mehr selber durch ihr Leben gehen muss. Das kann natürlich nicht funktionieren…
b) Es gibt eine spezielle Form der Erinnerung: Wir sehen z.B. ein Foto, das uns an einem bestimmten Ort zeigt (Beweis, dass wir da waren), können uns aber nicht an diesen Ort / diese Situation erinnern. Der Beweis zeigt uns aber, dass es so gewesen sein MUSS – quasi eine Erinnerung von außen. So ist es auch mit Maja: Sie kann sich nicht daran erinnern, als das Foto von ihr und ihrer Mutter aufgenommen wurde, doch das Foto beweist ihr, dass es so gewesen sein MUSS. Eine erzwungene, ein wenig unheimliche Erinnerung, finde ich, und das wollte ich mit dem Titel zum Ausdruck bringen.
KS: Möchten sie mit den Titeln Ihrer Bücher ein eigenes Markenzeichen kreieren?
CS: Es hat sich so ergeben, aber ich denke schon. Auch das dritte Buch, das gerade im Entstehen ist, wird einen poetischen Titel tragen, der viele Assoziationen zulässt…
KS: Der Schluss der beiden oben erwähnten Bücher bleibt offen. Denken Sie sich die Geschichte weiter, oder bleiben Sie bei einem offenen Ende? Falls ja, wie würden sich die Geschichten der Heldinnen weiter entwickeln? Eher zum Positiven oder eher zum Negativen hin?
CS:
a) Ich wollte, dass es in Annas Leben doch noch einen Funken Hoffnung gibt. Vielleicht kehrt Harald eines Tages zurück, akzeptiert, dass Anna ihre traumatische Erfahrung wohl nie ganz überwinden wird. Vielleicht finden die beiden trotzdem einen Weg…
b) Das zweite Buch habe ich absichtlich mit einem Traum enden lassen. Ich wollte zeigen, dass es unwichtig ist, ob das Haus der Großmutter noch steht, ob Maja es findet: Viel wichtiger ist, dass sie sich auf den Weg macht und sich mit dem zufrieden geben kann, was sie weiß. Mehr wird sie über ihre Vergangenheit nie wissen, doch anstatt daran zu verzweifeln, beendet sie dieses Kapitel ihres Lebens mit dieser Reise und öffnet sich damit für einen neuen, selbstbestimmten Lebensabschnitt (mit ihrer Tochter und wahrscheinlich auch mit Bert).
KS: Wie sieht die Promotion eines Buches aus?
CS: Die liegt zu einem großen Teil beim Verlag, da ich in Österreich aber mittlerweile recht bekannt bin, werde ich auch immer häufiger direkt zu Lesungen eingeladen. Kleine und mittlere Verlage haben kaum Werbemittel, wichtig sind die Mundpropaganda und vor allem eine treue Leserschaft!
KS: Sie waren in Polen in einer Lesung zu Gast, obwohl es noch keine polnische Übersetzung Ihrer Werke gibt. In welchen nicht deutschsprachigen Ländern waren Sie noch zu Gast?
CS: In Italien (Universität in Florenz) und in Slowenien (Universität in Ljubljana).
KS: Können Sie kurz den Entstehungsprozess eines Buches darstellen?
CS: Ich sammle Zeitungsartikel, notiere Gedanken auf kleinen Zettelchen usw. Meistens schaue ich die Notizen nie wieder an, aber im Kopf setzen sich die Einzelteile zu einer neuen Geschichte zusammen. Wenn ich dann irgendwann am Computer sitze und der Text fließt, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Wenn ich nach wenigen Seiten ins Stocken gerate oder auch keine richtige Lust habe, weiterzuschreiben, bin ich in so gut wie allen Fällen in einer Sackgasse gelandet… Ich gebe das fertige Manuskript meiner Lektorin, wir besprechen es, ich ändere einige Stellen oder lasse sie bewusst so, wie sie sind, dann geht das Manuskript an den Verlag. Vom fertigen Manuskript bis zum gedruckten Buch dauert es in etwa ein Jahr…